Dienstag, 8. März 2011

Fastenspeisen in der Oberpfalz - früher und heute



Früher war Fasten eine Einheit von Verzicht auf Fleisch, Verzicht auf festliche Speisen und Bußbereitschaft. Aus Mangel an Lebensmitteln entstand eine Vielfalt an Fastenspeisen, die heute nur noch in der Küche der älteren Generation zu finden ist. In der Oberpfalz bestand die alte Fastenkost überwiegend aus Suppen, Mehlspeisen und Kartoffelgerichten. Von der Mehlsuppn, Brotsuppn und Brennsuppn bis zur Kartoffelsuppn, vom Hefaknödl bis zum Dotsch.
Die "1968er Jahre" waren auch hier die Zeit der Veränderung. Das II. Vatikanische Konzil hat die früher sehr strengen Fastengebote der katholischen Kirche gelockert und dem Gewissen des Einzelnen anvertraut. Der Markt bot nun alles. Ernährungsindustrie und Supermarkt sorgten dafür, dass Lebensmittel aus der ganzen Welt, unabhängig von Saison, sowie eine große Vielfalt von Fertiggerichten zum Kauf angeboten wurden. Die Ernährungsgewohnheiten änderten sich. Das Wissen über die Wertigkeit der Lebensmittel, Vitamine und bio-aktive Substanzen in den Lebensmitteln bestimmte in den folgenden Jahren die Wahl der Lebensmittel.

Heute kann die Fastenkost aus einer reichen Auswahl frischer regionaler und saisonaler Lebensmittel zusammengestellt werden, deren Erzeugung nachvollziehbar ist und die den Anforderungen einer gesunden Ernährung entspricht. Zur Verfügung stehen z.B. Kartoffeln, Porree, Karotten, Rote Rüben, Rosenkohl, Blaukraut, Weißkraut, Sauerkraut, Wirsing, Winterrettich, Winterobst und vieles mehr. Die zeitgemäße Ernährung, nach den Grundsätzen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, empfiehlt Zurückhaltung bei Butter, Rahm und Eiern, sowie Ergänzung durch Fisch, Milch, Sauermilchprodukte, Käse (lacto-vegetatible Kost), Vollkornprodukte und Honig.

Fasten heute bedeutet ganzheitliches nachhaltiges Fasten mit Selbstverpflichtung und Übernahme von Verantwortung. Selbstverpflichtung gegenüber Gott, durch sichtbare Zeichen der Wertschätzung von Lebensmitteln und Umdenken, um dem Leben Richtung zu geben. Fastenzeit ist die Zeit, Konsumgewohnheiten zu ändern zum Wohl der eigenen Gesundheit. Zeit Verantwortung zu übernehmen im Sinne eines nachhaltigen Handelns für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kommentare:

  1. Dieser Gedanke gefällt mir gut: Wenn es mir gelingt, in der Fastenzeit vermehrt auf die Wertschätzung der Lebensmittel zu achten, könnte ich mehr Sensibilität für diejenigen entwickeln, die Lebensmittel erzeugen und versuchen, ihnen faire Preise zuzugestehen. So wäre ich wieder näher bei den Ideen aus den vielen Agenda 21-Prozessen, die versucht haben, Projekte für nachhaltiges Handeln zu entwickeln.
    Also wäre ich mit meinem persönlichen Fasten in dieser Ausprägung Teil eines gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses, der Strukturen verändern helfen würde.
    In einer weiterführenden Vision würden die solchermaßen veränderten Strukturen auch die Prozesse der Zukunftsgestaltung in der Gesellschaft positiv prägen.

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  2. Für diese Hinweise bin ich sehr dankbar:
    Übernahme von Verantwortung - ganzheitlich gesehen - ist für mich in dieser Fastenzeit Erinnerung, in meinen Konsumgewohnheiten wieder vermehrt an diejenigen zu denken, die Nahrungsmittel produzieren und die regionalen Erzeuger zu bevorzugen, auch wenn - oberflächlich gesehen - der Preis etwas höher erscheint.
    Wenn ich es dann noch schaffe, bei Produkten aus Übersee an fairen Handel zu denken, so kann ich auch etwas Frieden stiften. Fasten kann also gesamtgesellschaftlich gesehen ein wichtiger Agenda 21-Beitrag sein.

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  3. Hallo Frau Pesold,

    ich war beim Seminar "Fasten für Journalisten" dabei und wollte fragen, ob sie eines der leckeren Rezepte hier veröffentlichen könnten?
    Vielleicht ja das für die Kartoffelmaultaschen?

    Würd mich sehr freuen!
    Herzliche Grüße,
    Elisabeth Lorenz

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  4. Fastenspeisenrezept: Kartoffelmaultaschen

    Grundlage Kartoffelteig. Mengenangabe für 4 Personen: 1 kg gekochte Kartoffeln, ca. 150 gr Mehl, 1-2 Eier, Salz.

    Gekochte Kartoffeln heiß durchpressen, auskühlen lassen und mit den Zutaten zu einem Teig kneten. Wenn der Teig zu weich ist etwas Mehl oder Grieß dazu geben.

    Kartoffelteig zu einer Rolle formen, dicke Scheiben schneiden und diese zu messerrückendicken Flecken ausrollen, jeden Fleck mit Butter und saurem Rahm bestreichen, mit Füllung belegen, zusammenklappen, in eine gut gefettete Bratraine geben, mit Butter bestreichen und im Rohr goldgelb backen.
    Backzeit:ca 45 Minuten bei Mittelhitze ca. 180 °.

    Süße Füllung für Maultaschen mit geschnitzelten und gezuckerten Äpfeln oder Apfelmus.

    Pikante Füllung mit ausgelassenem durchwachsenen Speck, gemischt mit gedünsteten kleingeschnittenen Zwiebeln. Oder mit gedünstetem Balttspinat, gemischt mit kleingeschnittenem Fetakäse oder mit Frischkäse.

    Nach Belieben kurz vor Ende der Garzeit 1/8 l heiße Milch über die Maultaschen gießen, süße Maultaschen ev. überzuckern, und fertigbacken.

    Der Kartoffelteig kann aber auch im Ganzen messerrückendick ausgerollt werden, in viereckige Flecken ca. 10 mal 10 cm geschnitten, gefüllt und an den Rändern gut angedrückt, bei mittlerer Hitze langsam in einer Pfanne ausgebacken werden.

    Der kartoffelteig eignet sich auch, geformt als Kartoffelküchlein, in der Pfanne ausgebacken zu werden. Dazu gibt es Salat oder Sauerkraut.

    Guten Appetit!

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