Dienstag, 15. März 2011

Fastenzeit in Taizé


Zur Fastenzeit hat sich Frère Alois, der Prior der Communauté von Taizé und „Nachfolger“ von Frère Roger auf Bitten der französischen Tageszeitung „La Croix“ einige Gedanken gemacht (zu finden in seinem Buch „Glauben wagen – Die Christlichen Feste im Jahr“, Herder), die dabei helfen können, unser Innerstes mit seiner „Sehnsucht nach dem Absoluten“ wieder bewusster wahrzunehmen und zu einer „frei gewählten Einfachheit des Lebensstils“ aus Liebe zu finden, indem wir uns Christi Gegenwart überlassen. Hier einige Auszüge aus den Gedanken von Frère Alois:

„Die Fastenzeit lässt uns zunächst an Wüste denken. Jesus verbrachte vierzig Tage in der Einsamkeit der Wüste, das Volk Gottes war vierzig Jahre lang in ihr unterwegs gewesen.

Frère Roger hingegen sprach gerne davon, dass diese Wochen vor Ostern keine Zeit der Entbehrungen oder der Trauer sind, keine Zeit, um Schuldgefühle zu pflegen, sondern ein Moment, um die Freude der Vergebung zu besingen. Für ihn war die Fastenzeit eine vierzigtägig Vorbereitung, um immer wieder einen „kleinen Frühling“ in unserem Leben zu entdecken.

Am Anfang des Matthäusevangeliums ruft Johannes der Täufer: „Kehrt um!“, und meinte damit: „Wendet euch Gott zu!“ […]

Was können wir tun, damit unser inneres Leben neuen Schwung erhält und wir die persönliche Beziehung zu Gott immer wieder neu entdecken? Jeder von uns spürt einen Durst nach dem Unendlichen. Gott hat uns mit dieser Sehnsucht nach dem Absoluten geschaffen. Geben wir ihr Raum in uns! […]

Wir sind nicht allein unterwegs; er [Christus] geht vor uns her. Ihm zu folgen, ist mit einem inneren Kampf verbunden, in dem wir uns immer wieder entscheiden müssen, um fürs ganze Leben treu zu sein. Diesen Kampf bestehen wir nicht aus eigener Kraft, sondern indem wir uns seiner Gegenwart überlassen. Der Weg ist uns nicht vorgegeben, wir müssen mit immer neuen Überraschungen zurechtkommen und mit Unvorhergesehenem schöpferisch umgehen. […]

Die Fastenzeit lädt uns ein, zu teilen. Sie lässt uns erahnen, dass es keine geistliche Selbstverwirklichung gibt, ohne aus freiem Willen und aus Liebe auf etwas zu verzichten. […] Das Evangelium betont die Einfachheit des Lebensstils. Es ruft uns zur Selbstbeherrschung auf, um uns aus freien Stücken und ohne Zwang einzuschränken. Dieser Ruf besitzt große Aktualität, nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für das gesellschaftliche Leben. In frei gewählter Einfachheit können wir es aufgeben, Überflüssigem hinterher zu laufen, und damit gegen die Armut der am meisten Benachteiligten ankämpfen.

Wagen wir es, während der Fastenzeit über unseren Lebensstil nachzudenken, nicht um uns und anderen ein schlechtes Gewissen einzureden, sondern um nach Wegen der Solidarität mit den Ärmsten zu suchen. Das Evangelium ermutigt uns, miteinander zu teilen und gleichzeitig in allem die schlichte Schönheit der Schöpfung zum Vorschein kommen zu lassen.“

Kommentare:

  1. Hab mir grad auf der Taizé-Homepage die gesamten Gedanken von Frère Alois durchgelesen und bin dabei auch auf dieses schöne Gebet gestoßen:


    Gebet (aus Taizé)

    Auferstandener Christus, mit dir gehen wir vom Schatten zum Licht. Unser Leben öffnet sich für den Heiligen Geist. Er kommt und entfaltet in uns, was wir nicht einmal zu hoffen wagten.

    Grüße aus Straubing!

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  2. Einfachheit des Lebensstils - das fängt, wie so das meiste, im Kleinen an... Komisch, dass so viele in unserer Gesellschaft für einfache Verhältnisse sind. Aber wenn es darum geht, einmal konkret etwas zu ändern, aufs Auto zu verzichten und kleine Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen, sind gute Vorsätze nicht selten irgendwie wie weggeblasen ... Wer kennt solche Situationen nicht?

    Vielleicht sollte man nicht gleich die ganze Welt mit gutem Willen auf seine Schultern nehmen, sondern nur das machen, was auch machbar ist. Auch das heißt ja, dass das wirklich Wichtige im Kleinen anfängt.

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  3. Ja!

    "Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern."
    (Sprichwort der Xhosa)

    Allerdings denke ich: Um im Kleinen anfangen zu können, ist es auch notwendig, das Große im Blick zu haben, einer Vision zu folgen!

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